Schritte zum HeRo

Trainings

Um ein HeRo zu werden, müssen die Jugendlichen an regelmäßigen Trainings teilnehmen. Diese finden wöchentlich und über einen Zeitraum von ca. einem Jahr statt. Hierfür treffen sich unsere Gruppenleiter mit den jungen Männern in unserem Büro, in dem extra für die Trainings ein gemütlicher Raum eingerichtet wurde. Bei Getränken und Snacks wird in einer lockeren Atmosphäre über kontroverse Inhalte gesprochen.

Darüber hinaus finden auch spontane Veranstaltungen in Form von Spielabenden, sportlichen Aktivitäten, Kinobesuchen, gemeinsamen Grillen etc. statt.

Unsere beiden Gruppenleiter, die selbst türkischen Migrationshintergrund haben, bringen einen gleichen Erfahrungshorizont mit wie die Jugendlichen, die an den Trainingssitzungen teilnehmen und begegnen ihnen somit auf Augenhöhe. Sie stellen eine Art „großer Brüder“ dar, die es geschafft haben, sich von tradierten Rollenvorstellungen zu lösen. Auch sie erzählen von ihren Erfahrungen und öffnen sich den Jugendlichen – auch mit ihren Schwächen und Fehlern.

Eine kleine Auswahl der Themen, die bei den Treffen behandelt werden, soll verdeutlichen wie persönlich und kontrovers die Treffen sehr oft werden können:

  • Ehre, Ehrenmord
  • Familie/Tradition/Werte
  • Identität
  • Gleichberechtigung
  • Sexualität/Sexismus
  • Integration
  • Erziehung
  • Menschenrechte/Demokratie
  • Gewalt
  • Rassismus/Diskriminierung/Antisemitismus
  • Medien

Anerkennungsfeier/Zertifizierung

Nach etwa einem Jahr, wenn die Gruppenleiter das Gefühl haben, dass die Jungen bereit sind und ein Umdenkprozess in den Köpfen stattfindet, findet ein sehr wichtiger Schritt statt: Die Anerkennungsfeier hat vielerlei Funktionen. Anerkennung für die Jungen und für ihren Mut ist durchgehend ein ganz wichtiger Aspekt unserer Arbeit. Der Name „HeRoes“ ist eine Würdigung an sich. Die HeRoes arbeiten nämlich für Themen und Werte, die für ein Zusammenleben in einer demokratischen Gesellschaft unverzichtbar sind. Dafür haben sie Interesse und Unterstützung verdient.

Um die Anerkennung auch öffentlichkeitswirksam zu machen, wird im Rahmen einer großen Feier das HeRoes-Zertifikat überreicht. Das Zertifikat bestätigt ihre Qualifikation und macht natürlich einen guten Eindruck im Lebenslauf. Die Übergabe findet durch eine prominente Persönlichkeit statt.

Die Veranstaltung verschiebt zudem den Fokus von der Wahrnehmung der Defizite und Gewaltbereitschaft gerade jugendlicher männlicher Migranten hin zu denen, die bereit sind sich Respekt durch den Kampf gegen Unterdrückung im Namen der Ehre zu erarbeiten.

Workshops

Die ausgebildeten HeRoes sind nun in der Lage selbst Workshops an Schulen und anderen Jugendeinrichtungen anzubieten. Den Workshops liegt der Gedanke der peer education zu Grunde. Denn gerade bei schwierigen Themen lernen Jugendliche von Gleichaltrigen, die ihren sozialen und kulturellen Kontext kennen. Die Workshops richten sich an Jungen und Mädchen ab der 6. Klasse. Der rollenspielbasierte Workshop dauert ca. 3 Schulstunden und wird von zwei HeRoes angeboten, die von einem Gruppenleiter unterstützt werden.

Durch Rollenspiele stellen die HeRoes alltägliche Situationen in patriarchalischen geprägten Familien dar. Beispielsweise ist die Tochter der Familie zum abgemachten Zeitpunkt nicht zu Hause, der Vater schickt den älteren Bruder los, um sie zu suchen. Er erwischt sie mit einem fremden Jungen im Café…

Diese und andere ähnliche Szenen, die sicherlich vielen Jugendlichen aus dem eigenen Umfeld bekannt vorkommen, bieten die Diskussions- und Gesprächsgrundlage der Workshops. Insgesamt geht es darum, Diskussionen auszulösen und zum Nachdenken anzuregen und nicht das gesamte Weltbild der Jugendlichen zu verändern.